Der Datenschutz, die Privatsphäre, Yahoo und die Mails der Anderen

Geschrieben am 9. Juli 2013

Mitte der 90er Jahre trat das Internet in unser Leben ein. In einem Fernsehbericht wurde damals darüber berichtet, der Nachteil des Internets läge darin, dass es eine geringe Nutzerfreundlichkeit aufweist. Es brauche einige Tage Eingewöhnungszeit und gute Englischkenntnisse um sich zurechtzufinden. Aus dieser Frühphase des Internets, 1995, stammen die aktuellen Datenschutzregelungen der EU. Aber die Welt ist heutzutage eine andere. Millionen von Internetnutzern stellen freizügig ihr Privatleben ins Netz. Und es gibt zahlreiche Firmen, die mit diesen privaten Daten viel Geld verdienen.
EU Kommissarin Viviane Reding will neue, zeitgemäße Verordnungen ins Spiel bringen. Zu diesem Thema, das als ihr “Herzensprojekt” gilt, diskutierte sie in Luxemburg mit Europas Justizministern.
Redings Position ist, dass die Bürger mehr Kontrolle über ihre persönlichen Daten bekommen sollten. “Die Entscheidung darüber wird heute von einigen großen Betrieben abgenommen , so dass der Bürger keine Selbstbestimmung mehr hat.”, sagte Reding in einem Fernsehinterview. Ginge es nach ihr, sollte der Bürger die Kontrolle über seine Daten zurückbekommen.
Doch das stichfest in einen Gesetzestext zu fassen ist ein schwieriges Vorhaben, da die Interessen von Industrie und Datenschutzgruppen nicht vereinbar sind.
Im EU-Parlament wurde viel diskutiert, denn es wurden mehr als 4.000 Änderungswünsche von Abgeordeten eingereicht .
Diese Anträge wurden von dem Portal LobbyPlag, das von dem Journalisten Richard Gutjahr und seinen Mitarbeitern betrieben wird, analysiert. Sie haben eine Datenbank aufgestellt, die im Internet für jedermann einsehbar ist, und aufzeigt welcher EU Abgeordneter sich für den Datenschutz stark macht.
Sieht man sich jene Auswertungen an, kommt dabei besonders der CDU Abgeordnete Axel Voss ins Blickfeld , der in Interviews zu diesem Thema sagt , er versuche, die Balance zwischen den Interessen der Bürger und denen der Unternehmen zu finden. LobbyPlag zeigt auf, dass von Axel Voss vor allem Anträge eingereicht wurden, die für weniger Datenschutz sorgen könnten.
Das Treffen der EU Justizminister in Luxemburg hat klargemacht, das es keine Übereinstimmung geben wird. Manchen ist der bisherige Gesetzestext zu durchlässig, und anderen wiederum bereits in der jetzigen Fassung zu strikt.
Bürger, die sich in Gruppen aktiv für den Datenschutz einsetzen, befürchten, dass wir im Internet als gläserne Menschen betrachtet werden, und dieses irgendwann als gegeben akzeptiert wird. So kam es während des Treffens in Luxemburg zu Demonstrationen vor dem Innenministerium in Berlin.
Von Seiten der Unternehmen wird im Falle einer Datenschutzverletzung angegeben, es handele sich darum, besser auf den Kunden eingehen zu können. So werden beim Internetportal Yahoo Email -Accounts für Werbezwecke analysiert. Diese Option hat Yahoo in die Geschäftsbedingungen integriert. Die Regelungen bedeuten, dass es sich nicht nur um einen Eingriff in die Privatsphäre von Yahoo- Account Inhabern handelt. Der Einblick in den Email-Account bedeutet ebenfalls Einsicht in die Emails von Kunden anderer Anbieter, die einen Yahoo Kunden kontaktieren. Jene Kunden, die einer Datenschutzverletzung zum Opfer fallen, haben, ebenso wie Yahoo Kunden, nicht die Möglichkeit, diesen Eingriff in die Privatsphäre zu unterbinden

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